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16 Tattoos

Das entblößte Ich

Text: Tina Sauerländer

Menschen, die stolz auf ihre eigenen Leistungen und Taten sind, möchten diese gern mit ihren Freunden oder sogar mit der ganzen Welt teilen. Davon leben virtuelle soziale Netzwerke. Im Internet hat die Künstlerin Katharina Arndt, deren Arbeiten sich mit der tieferen Bedeutung und den psychologischen Strukturen unserer Pop-Gesellschaft beschäftigen, 16 Fotos und Selfies gefunden und ausgewählt. Die fotografierten Personen schieben ihre Kleidung beiseite, um ihre Tätowierungen an verschiedenen Stellen ihres Körpers zu zeigen. Die Jeans wird bis zum Rand der Unterhose aufgeknöpft, der Rücken freigelegt oder der Arm gehoben. Allerdings sind keine Tattoos mehr zu sehen. Die Künstlerin hat sie sorgfältig wegretuschiert. Zurück bleiben Menschen, die dem Betrachter intime Einblicke auf die nackte äußere Hülle ihres eigenen Ichs gewähren. Die oftmals schützende und stärkende, vielleicht auch rebellische Funktion der beständigen Körperbemalung ist entschwunden und ein verletzliches Individuum kommt zum Vorschein, welches eines wichtigen Ausdrucks der eigenen Identität beraubt wurde. Mit Facebook, Instagram & Co. ist die Selbstdarstellung und -vermarktung ein wichtiger Teil des Lebens geworden. Katharina Arndts Arbeit „16 Tattoos“ stellt ein sensibles Gleichnis auf eine Gesellschaft dar, in der das Streben nach individuellem Ausdruck und der Wunsch nach sozialem Halt sich oftmals konträr gegenüberstehen.

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The Exposed Self

Text: Tina Sauerländer

People who are proud of their own achievements and actions enjoy sharing them with their friends or even with the whole world. That’s why online social networks thrive. Artist Katharina Arndt, whose works deal with the deeper meaning and psychological structures of our pop culture society, found and selected 16 photos and selfies on the Internet. The people in the photos are pushing aside their clothes to show their tattoos on various parts of their bodies. Their jeans are unbuttoned to the edge of their underwear, they’re exposing their backs, or they’re lifting their arms. However, the tattoos can no longer be seen. The artist has carefully retouched them. What remains are people that give the viewer an intimate look at the naked outer shell of their own ego. The often protective and restorative, perhaps rebellious function of the permanent body painting has disappeared and a vulnerable individual comes to the fore, who has been robbed of an important expression of self. With Facebook, Instagram, etc., self-presentation and marketing have become an important part of life. Katharina Arndt’s work „16 tattoos“ represents a sensitive parable to a society in which the pursuit of individual expression and the desire for social maintenance are often contradictory.

photography

HÄNGUNG - 16 Tattoos, 2014, Serie von 16, je 30x40cm, kaschiert auf Aludibond, hinter Plexi
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